Photovoltaik bei Reihenhäusern und Doppelhaushälften – Was ist zu beachten?

Solarstrom trotz geteilter Dachfläche
Reihenhäuser und Doppelhaushälften bieten oft weniger Dachfläche als freistehende Einfamilienhäuser. Trotzdem eignen sie sich grundsätzlich sehr gut für eine Photovoltaikanlage. Entscheidend ist jedoch eine sorgfältige Planung – sowohl technisch als auch organisatorisch.
Gerade in dicht bebauten Wohngebieten, wie sie in vielen Städten und Gemeinden Schleswig-Holsteins typisch sind, spielen zusätzliche Faktoren eine Rolle.
Wem gehört das Dach? Eigentumsverhältnisse klären
Bei Doppelhaushälften ist das Dach meist klar einer Haushälfte zugeordnet.
Bei Reihenhäusern kann die Situation komplexer sein – insbesondere bei Wohnungseigentümergemeinschaften (WEG).
Wichtige Fragen vorab:
- Gehört die Dachfläche ausschließlich zum eigenen Eigentum?
- Gibt es eine Teilungserklärung?
- Müssen Nachbarn oder Miteigentümer zustimmen?
Seit der Reform des Wohnungseigentumsgesetzes sind bauliche Veränderungen zugunsten erneuerbarer Energien zwar erleichtert, dennoch sollte eine Abstimmung frühzeitig erfolgen.
Dachfläche optimal nutzen
Da Reihenhäuser und Doppelhaushälften meist kompakter gebaut sind, ist die verfügbare Dachfläche begrenzt. Umso wichtiger ist eine effiziente Planung.
Zu berücksichtigen sind:
- Dachneigung und Ausrichtung
- Gauben oder Dachfenster
- Verschattungen durch Nachbargebäude
- Antennen, Schornsteine oder Satellitenschüsseln
Moderne Module mit hoher Leistung pro Quadratmeter ermöglichen auch auf kleineren Flächen wirtschaftliche Anlagen.
Verschattung durch Nachbarhäuser
In geschlossener Bauweise können Nachbargebäude zu bestimmten Tageszeiten Schatten werfen. Besonders im Winter bei tiefstehender Sonne ist das relevant.
Eine professionelle Verschattungsanalyse hilft dabei:
- realistische Erträge zu berechnen
- geeignete Modulpositionen festzulegen
- gegebenenfalls Leistungsoptimierer einzusetzen
Nicht jede Verschattung macht eine Anlage unwirtschaftlich – sie muss lediglich richtig berücksichtigt werden.
Technische Besonderheiten bei kleineren Anlagen
Da die Dachfläche begrenzt ist, entstehen häufig kleinere Anlagengrößen. Das beeinflusst:
- die Wahl des Wechselrichters
- die Stringplanung
- die Wirtschaftlichkeitsberechnung
Auch ein Stromspeicher kann bei kleineren Anlagen sinnvoll sein, um den Eigenverbrauch zu erhöhen – insbesondere wenn tagsüber wenig Strom verbraucht wird.
Netzanschluss und Zählerschrank prüfen
Gerade in älteren Reihenhausanlagen kann die Elektrik modernisierungsbedürftig sein.
Vor Installation sollten daher geprüft werden:
- Zustand des Zählerschranks
- Platz für zusätzliche Komponenten
- vorhandene Absicherung
- Anforderungen des örtlichen Netzbetreibers
In Schleswig-Holstein gelten – wie überall – klare technische Anschlussbedingungen, die eingehalten werden müssen.
Wirtschaftlichkeit realistisch einschätzen
Eine kleinere Dachfläche bedeutet nicht automatisch geringe Rentabilität. Entscheidend ist der Eigenverbrauch.
Wenn der erzeugte Strom überwiegend selbst genutzt wird – etwa für Haushaltsgeräte oder eine Wärmepumpe – kann sich auch eine kompakte PV-Anlage schnell rechnen.
Die Einspeisung überschüssigen Stroms ergänzt die Wirtschaftlichkeit zusätzlich.
Gemeinschaftslösungen als Alternative
In manchen Reihenhausanlagen kann auch eine gemeinschaftliche Lösung sinnvoll sein – etwa mehrere Einzelanlagen oder ein abgestimmtes Konzept innerhalb einer Eigentümergemeinschaft.
Solche Modelle erfordern jedoch klare vertragliche Regelungen und eine sorgfältige technische Planung.
Fazit
Photovoltaik ist auch bei Reihenhäusern und Doppelhaushälften gut umsetzbar – wenn Planung und Eigentumsverhältnisse frühzeitig geklärt werden.
Begrenzte Dachflächen, mögliche Verschattung und organisatorische Abstimmungen erfordern zwar etwas mehr Aufmerksamkeit, stellen aber kein grundsätzliches Hindernis dar.
Mit einer durchdachten Planung lässt sich auch auf kompakter Fläche effizient Solarstrom erzeugen – wirtschaftlich und langfristig zuverlässig.